![]() |
||||||||
|
LANGGÖNS die "Schönheit eines Augenblicks......." liegt wahrlich nicht in der Realität, nach einem nicht eben stressfreien Auftritt noch 540 Kilometer durch die Nacht zu dieseln, um die Weichen für ein gelungenes Folgekonzert stellen zu müssen. Jedoch ist diese Zeit noch angenehm kühl. Nach einem kurzfristigen Intermezzo namens Nebel mit Sichtweiten unter 50 Metern ätzt die sengelnde Solarscheibe am Himmel ein weiteres mal brutal stechend ihre unangenehm überhitzten Strahlen penetrant in schweißtreibende Poren. Gepaart mit hart erarbeiteter Müdigkeit eine mehr als verschissene Kombination, die jede/r zur Hölle wünscht. Erstmal im Backstagebereich akklimatisieren, ein wenig Ruhe finden, sich sammeln, um nötige Kräfte bündeln zu können. Vielleicht 1 bis 2 Stunden schlafen. So der Gedanke kurz vor Erreichen des Ziels um ca. 12.30 Uhr. Adieu, Du schöne Seifenblase, auf Dein "elendes Verwelken"... Die Situatin vor Ort ist definitiv ein ultimativer Tritt in die Eier. Das fast nackte Gerüst einer Aluminium Bühne nebst einem völlig deplazierten, noch leerem und nicht verkabelten FOH sind die einzig vagen Hinweise der angedachten Eventualität einer kaum noch vorstellbaren Nacht "Im Namen des Herrn". Grotesk skelettartig wirkt das in gesamter Breite hinten nackte Teil ohne Verkleidung. Fest verschraubte oder verbolzte Verbindungen der einzelnen Elemente sind nicht. Aufgang gibt´s nicht, Geländer sowieso nicht. Obendrauf Chaos. Viele Kisten und Kästen mit Kabelatur ohne Ende, gemixt mit leeren Flaschen, Getränkedosen und sonstigem Müll. Mittendrin - arg angefleddert - der Vertrag zwischen Band und Veranstalter sowie das übliche Briefing. Die Verstrebungen zur Haltbarkeit der gesamten Stellage werden kontergewichtsmäßig durch ca. 20 riesige, mit Wasser gefüllten, teils offenen Tonnen im kreischenden Grün bewerkstelligt. Das FOH steht seitlich versetzt neben der "Bühne" im akuten Brennessel Einzugsbereich, von rostigem Stacheldraht abgegrenzt. Die gesamte trümmerige Traurigkeit präsentiert sich auf grob granulierten Schotterboden mit dem Charme einer staubigen Auffahrt zu einem trostlosen Parkplatz. Backstage ist definitiv überhaupt nicht auch nur ansatzweise vorhanden, der Begriff Toilette ein Fremdwort. Von Verköstigung oder kühlen Getränken ganz zu schweigen. Und...., völlig deprimierend, niemand am Start, um diese chaotisch destruktive Kulisse zu entschärfen. Hell´s Bells im Bauch, der bereits zitierte Herr Zorngiebel spannt sämtliche Zellen im überhitzt strapazierten Bregen Richtung Überdruckventil. Es kostet einige Mühe, die verständlichen Empfindungen aus der Wut Zentrale unter der Schädeldecke der Armmuskulatur mit entsprechenden Reaktionen vorzuenthalten.... Die Telefone glühen, die Bande wird informiert, der Abbruch der Veranstaltung wird ernsthaft erwogen. Aber nicht durchgeführt. Die Fanz - etliche Zelte mit Infizierten sind bereits vor Ort - können schließlich nichts dafür. Durchackern als "Gastarbeiter" ist angesagt, selbstverständlich gegen sondertariflichen Aufschlag. Wie schön, endlich mal was zu tun. Genau das, was jetzt jede/r dringend braucht.... Der generell professionelle, aber stets freundlich co-operative ENKELZ Umgangston gilt ab sofort nicht mehr. Ab jetzt gibt´s nur noch ultimative Ansagen mit knallhartem Diktat. Oder eben Arschlecken. Erstaunlich, was ein verschärftes Konversationslevel so bewirken kann. Die längst überfällige Maschinerie läuft zwar viel zu spät aber immerhin noch auf den allerletzten Drücker an. Urplötzlich funktioniert Alles bestens. Unmengen schwarzen Molton Stoffs werden beschafft um die Kübel-, Bottich-, Zuber- und Tonnen Atmosphäre zu egalisieren. Selbst die Bühnenrückwand wird verkleidet. Mit dem Zeug, was eben da ist, nämlich Plastik-Labber-Folie in hellblau. Der Rock´n Roll Farbe schlechthin... "Dixie Kabuff" in - wie stilvoll - gleicher Farbe, Backstage Container und das in die richtige Position gewuppte FOH bieten langsam das halbwegs adäquate Bild einer bevorstehenden Veranstaltung. Die Musiker bemerken nach ihrer Ankunft ein paar dunkel augengeränderten, versengelten, schweißstinkenden und völlig verklebten Kreaturen gegenüber erstaunt, daß doch alles in Ordnung sei..... Jipp, meine Herren, so isses. Schwitzigen Schwamm drüber. Zu allem Überfluß segelt dann noch die Schiebetür des Band-Bullis aus der Verankerungsschiene. Herr Krid liegt bäuchlings gegrillt auf dem weiß kochenden Dach der ollen Schalotte, während der Verfasser dieser Zeilen das scheißschwere Teil mittels eines von der gegenüberliegenden Autowerkstatt ausgeliehenden gewaltigen Kuhfusses (Stemmeisen) versucht, das rollende Mistvieh wieder einzuhebeln. Die krönende "Abschluß Halbe Stunde" eines wahrhaft gelungenen Nachmittags. Man gönnt sich ja sonst nix. Wenn schon Rock´n Roll, dann bitte richtig. Soundcheck: Die Bande spielt ebenso spontan wie böhsartig - analog zum Text - erstmalig über eine wummernde PA das abgrundtief düstere Lied "Deine Last" von der bis dato noch unveröffentlichen zweiten CD. Etliche bereits auf dem Gelände anwesende Bekannte/tinnen aus diversen BO orientierten Vereinigungen kriegen das nicht mal mit. Zuviel wonnemäßiges Sabbel-Brabbel untereinander mit viel zu lautem Schulterklopfen. Auch auf den Tipp des Verfassers dieser Zeilen, doch mal bitte kurz im eigenen Interesse die Ohren ob dieser Premiere zu spitzen (oder einfach den Schnabel zu halten), wird massiv weitergeschnattert. Als das Lied dann zu Ende ist, erwachen die Erlauchten aus ihrer Selbstgefälligkeit mit der Feststellung, wie geil das denn war, wie das heißt und ob man das noch öfters hören kann..... Kein weiterer Kommentar. Während des Konzerts fällt dann noch langsam aber quälend beharrlich Achimos Mikro trotz neuer Batterien aus. Das anfängliche Knacken mit vereinzelt kurzen Aussetzern nervt kurzfristig, aber massiv die Spiellaune der Bande, das Teil muß sofort ausgetauscht werden. Was auch geschieht. Ein blauer Farbfilter fällt von dem funktionsuntauglichen Gehäuse eines Spotlights herunter, mutiert zum Putzlicht-Werbeträger der grellsten Art (Oh Osram) und wird somit zum absolutem Alptraum für Licht-Verfechter Marcus perfectus. Kurz vor dem melancholischen "Binglwesch" (Bin ich nur glücklich wenn es schmerzt) natürlich eine optisch atmosphärische Katastrophe. Konzertgenuß interruptus. Ab durch die Tobenden zum Reparieren-Improvisieren. Erstaunlich auch der hohe Anteil an nicht zutrittsberechtigten Personen direkt hinter der Bühne. Eine kleine Privat Party disziplinloser Deppen. Vielleicht ganz gut, daß die DA stehen und nicht vor der Bühne. Sind doch die Wellenbrecher kurz vorm Einknicken.... Ein paar entspannte Momente zwischen Trance und völliger Verdrehtheit mit optischen Wahrnehmungen der leicht schrägen Art gibt´s dann doch noch. Vom FOH aus gesehen präsentiert sich die Bühne bei sternenklarer Nacht als flackerndes, im Grundton aquamarin beleuchtetes Rechteck in schönster Maledivenatoll Farbgebung. Und rechts oben schießt permanent ein nie endenwollender Schwarm heller Doppellichter an einer aufgereihten, aber nicht sichtbaren Schnur in die ansonsten alles umfassende Dunkelheit heraus. Drogen im Spiel? Ist nicht. Lediglich der perspektivische Zufall durch die in unmittelbarer Nähe zum Gelände gelegenen, imposant hohen Brücke einer vielbefahrenen Autobahn bietet diese ungewöhnliche Assoziation mit völlig profanem Hintergrund. Gerockt wird selbstverständlich auch noch. Und zwar nicht zu knapp, sondern wiederum - wie üblich - äußerst erfolgreich, wie etliche, massiv geforderte Zugaben belegen. So gegen 4.30 Uhr morgens im Hotel nur noch raus aus den stinkenden Klamotten und ausgiebig die mittlerweile verkrustete körpereigene Schicht aus ehemals flüssigem Schweiß abspülen. Achimo verpaßt einer angriffslustigen, größenwahnsinnigen Hornisse noch einen effektiven Lowkick, jedoch, die Lust auf die längst überfällige Horizontale meldet sich nach ca. 44 Stunden keinesfalls entspanntem Wachseins nachhaltig zu Wort. Der komatöse Schlaf wird leider wieder einmal viel zu früh abrupt unterbrochen, denn das Hotel liegt in unmittelbarer Nachbarschaft einer Kirche... Selbstverständlich läßt es sich die klerikale Trommelfell Mafia keinesfalls nehmen, ausgiebig dem Ritual einer exzessiven Lärmorgie in Bronze zu frönen. Tja, "die Wände wackeln" eben auch auf der anderen Seite zwischen Flensburg und Kärnten. Seit 8.45 Uhr wird nun zurückgelärmt.... Geschlossene Fenster bewirken rein gar nichts, deren Akustik-Peiniger versteht sein Handwerk. Schwer begeistert verlassen wir den dröhnenden Ort Richtung Festivalgelände, wo ein Frühstück mit den Beteiligten der letzten langen(gönsigen) Nacht wartet. Bei mittlerweile komplett entspannter Stimmung wird zwischen allerhand (teils derb) spaßiger Kommunikation der neue Tag fixiert. Kaffee-Einspülungen in erhöhtem Maße wecken weitere Lebensgeister. Wir "freuen" uns bei wiederum glühender Sonne auf den Liebreiz der Autobahn, letztlich müssen die obligaten 1100 KM ja zustande kommen. Die Palette der absurd grotesken Situationen dieses Wochenendes ist nicht eben spärlich ausgefallen. In Fußballersprache: Endergebnis 10 : 2 für Stress gegen Spaß. Was soll´s, irgendwann gibt´s ein Rückspiel mit ausgleichender Gerechtigkeit. Außerdem heißt ENKEL sein, über Widrigkeiten dieser Art zwar auch zu pöbeln, aber, nach kurzem Abstand, einfach nur kopfschüttelnd zu lachen. Was hiermit geschieht. Knutzen
|