![]() |
||||||||
|
FORCHHEIM - KOLPINGHAUS 21.1.2006 Wir bleiben unserer Linie treu, ab nach Franken... und AHOI!
Die üblichen, fast schon renitent Routine mäßigen 1200 Kilometer liegen vor uns. Nur der Bandbus entpuppt sich leider als stur unbelehrbar und fährt blöder Weise nicht von allein auf der angestammten Route. Mittlerweile kennt uns das Personal an den Fast Food Fress-Stationen und Tankstellen fast schon namentlich. Wir werden nicht mehr argwöhnisch beäugt, wenn ein Teil der Bande lauthals liederlich lästernd kurz in die pseudo erotischen Hochglanz Magazine luschert um Bumsfidelias Silikon Serpentienen verbal vulgär zu verunglimpfen. Ansonsten holt Harry den Wagen, es gibt bis Forchheim nichts Erwähnenswertes zu berichten. N´ paar Fragen an Einheimische, wo denn die ENKELZ heute Nacht auftreten sollen, verpuffen im größtenteils ahnungslosen Nichts oder in erschrocken abweisenden Gebaren wie gegen den leibhaftigen Teufel schlechthin. Lediglich ein türkischer Einwohner ist spontan bereit, uns den rechten (im völlig unpolitischen Sinne) Weg zu weisen. Er fährt einfach vorweg und bringt uns hin. So einfach kann das sein. Danke „die Erste“ an namentlich unbekannt! Das Gemäuer des Geschehens liegt in einer lauschigen Seitengasse. In einer für Modell Eisenbahner geradezu vorbildlichen Kulisse. Epoche 1, also Länderbahn Zeit. P 8, S 3/6 usw. Der selig schlummernde Saal für die anstehende norddeutsche Totaldröhnung Frankfurter Couleur ist integriert in einem imposant ausgerichteten Gebäude mit schöner Architektur. Die Veranstalter, bzw. deren Mitarbeiter sind uns aus Trautskirchen bereits als engagiertes, kompetentes Team bekannt. Die daraus resultierende, entspannte Stimmung findet dann ein rabiates Ende. Wir haben die Fußmaschine für Kridden´s Schießbude in Hamburg gelassen. Schlichtweg vergessen. Peinlichkeit und Panik paktieren kurzfristig. Eines ist klar, ohne den fundamentalen Wumms auf Brustbeine und Mägen des Publikums geht garantiert gar nichts. Soundcheck ohne Kick-Drum. Inspirationslos irreal und doch vorweg vonnöten. Völlig verfremdet. Einer der beiden dezent durch den Saal schleichenden Herren mit Walkie Talkies entpuppt sich direkt angesprochen nicht nur als bestellter Späher des Ordnungsamtes sondern wider Erwarten als freundlich kooperativer Helfer. Sein Mobiltelefon glüht auf der Suche nach Adressen für das dringend benötigte Teil. Danke „die Zweite“. Beim Musikhaus Thomann (Tohmann?) in Hemhofen erfahren wir weit nach Geschäftsschluß praktisch perfekt private, höchst honorige Hilfestellung. Ein Anrufbeantworter mit einer Telefonnummer für Notfälle. Und dort „werden wir wirklich geholfen“, im grandiosen „Geist“ von Verona. Das ultimativ unentbehrliche Relikt für jede Art von Sound in Sachen Rockmusik wird dann kostenlos und OHNE Pfand auf Ehrenwort an uns ausgeliehen. Danke „die Dritte“. Marc EINS kommt nach über einer Stunde triumphierend als zweibeiniger Streßzerstäuber für Bande und Gemüt aller Beteiligten mit dem Goldstück unter´m Arm in den Saal zurück. Danke „die Vierte“. Es folgt das Interview mit den „Nordbayrischen Nachrichten“. Bei der telefonischen Absprache vorab werden wir schon dahingehend belehrt, daß die Onkelz ja keineswegs „christliches Liedgut“ gespielt haben. Aha, Ähem, Hört, hört...... Dazu müßt ihr wissen, daß der Name „Kolping“ seit ca. 1870 für die Gründung einer katholischen Arbeiterbewegung im süddeutschen Raum steht. Und somit auch für die Benennung des Hauses, in dem die ENKELZ trotzdem heute Nacht das Lied „Kirche“ spielen werden. Soziale Aspekte der Werktätigen aus den Anfängen der Gründerzeit und konfessionelle, teils Lebens verneinende Dogmen angesichts der Probleme des 21. Jahrhunderts. Da prallen Welten aufeinander. Belassen wir es bei dieser provokanten, nicht näher diskutierten Betrachtungsweise. Das gehört HIER nicht her. Da etliche „Minderjährige“ zugegen sind, die ihre Personalausweise an der Kasse abgeben müssen, werden wir notgedrungen von den Veranstaltern darauf hingewiesen, daß diese laut Gesetz noch nicht Erwachsenen per Mikrophon um spätestens 00.00 Uhr des Saales zu verweisen sind. Andernfalls hagelt es Bußgelder von bis zu 800 Euro pro gegensätzlich handelnder Person zu Lasten des Veranstalters und Anzeigen wegen Verführung Minderjähriger zum „Rock and Roll“. (8 Jahre Bau, sie setzten ein Zeichen). Weit vorgezogen beginnt das Konzert (mit von „Schorsch“ nachträglich bestens im Sound integrierter Kick-Drum) zur Freude der ca. 300 Anwesenden. 300? Magere, minimalistische Masse Meute. Was soll´s, es ist wie es ist, und doch ist es anders.... Zu wenig Werbung in zu kurzer Zeit, „beschweren“ sich Fans. Außerdem soll eine fränkische Poser Kapelle namens „awake“ viele ENKELZ Plakate überklebt haben. Nun, wer sich „Erwachet“ nennt, ist von unsere Seite eh´ keines Kommentares würdig. Also: Scheiß Egal und „Ab mit der Luzie“. Die Bande beginnt, wie bereits erwähnt, aufgrund der unsäglichen Umstände früher als geplant und will 20 Minuten länger spielen. Ein spontan auf 1Std. 40 Min. verlängerter erster Set für den „des Saals zu Verweisenden“ pubertierenden Pogo-Pulk folgt. Denn der hat auch 100% Eintritt gelöhnt und sich damit das Recht auf die volle ENKELZ Dröhnung erworben. Inkl. des Finales „Mexiko“. Wir wollen doch nicht, daß Bübchen und Tantchen in ihren Kinderzimmerchen randalieren, nicht wahr, verehrteste, vehemente Verfassungsschutz Verfechter...... Diesen merkwürdigen Mechanismen Folge leistend, opfert sich Achimo alsbald amtlich per Mikro zur artigen Ansage der rustikalen Regeln von Jugendschutz und Justiz. Erfolgreich, denn der Nachwuchs trollt sich, zwar grummelnd aber System konform, von dannen. In die böhse Nacht mit all ihren netten Männern und Freddie Krügern. Set Zwei rockt dann für unsere verwöhnten Verhältnisse vor arg ausgedünnter Kulisse trotzdem intensiv und treibend. Zugaben müssen zwangsläufig zwingend gegeben werden. Wir wissen, was die Bande dem Publikum schuldig ist. Selbst während des Abbaus der Anlage, also weit nach Konzertende, spionieren noch gänzlich ungeniert uninformierte UNIFORMIERTE durch die geheiligten Gemächer. Grotesk grandios... Danke „die Fünfte“ geht an die beiden Veranstalter Mark und Markus sowie die Jungs für Sound und Licht für ihr totales Engagement. Fazit: Kolossale Kollegialität gegen massives Mißtrauen. Die Geschehnisse rund um das KOLPINGHAUS haben uns zwar nicht komplett kollektiv kolportiert, aber die Mischung aus opulenter Observation und hiesiger Hilfsbereitschaft sind doch beileibe befremdlich bemerkenswert. Es bleibt die Frage, ob solche Auftritte zukünftig noch sein müssen oder wem damit gedient ist. Euer Knutzen
|