Berga 30.04.05

12 Uhr Mittags. Wir weilen noch in Bremen, Hotel „Europa“. Schlaf ist ein Fremdwort. Tischtennis Weltmeisterschaft in Bexx Town, alle Herbergen – auch diese – sind voll belegt. Die Anhänger der klickernden Cellophan Bälle ballern seit 6.45 Uhr äußerst unsensibel sämtliche Türen in die nur leicht verschalten Rahmen. Motto: Was die mit den Schlägern an der Platte können, machen wir auch. Ein  prototypisches Beispiel aus falsch verstandener Leidenschaft und völlig mißverstandener Solidarität zwischen Aktiven und Fans.

Außerdem sind keine Gardinen vor dem riesigen Fenster und eine Bremer Sonne macht die verzögerte Nacht viel zu früh zum Tage.

Das Buffet für uns Nachzügler ist versöhnlich und überraschend vielfältig. Selbst Oliven und Nußtorte sind am Start. Diese radikal schräge Kombination wird nur noch durch die Präsenz diverser Flaschen Sekt überboten.

Damit sind wir beim Thema Betäubungsmittel: Im TV kommt die Meldung, Keith Richards (Rolling Stones) ist von einer KOKoS Palme gefallen und in´s Spital geflogen. Ob mit oder ohne Helikopter wird nicht gesagt. Mann Alter, in Deinem Alter! Nur wenn ich besoffen bin... Du bist KEIN Vorbild für Billy und TH. Oller Botanik Terrorist.

Thüringen ruft erstmalig und wir fahren direkt in das Einzugsgebiet zweier weiterer BO Cover Bands. Intern musikalisches Aus- oder Neuland. Primäre Duftmarke hinterlassen heißt das Motto.

Die idyllische Landschaft und das traumhafte Wetter animieren eher zu einem Urlaub anstatt zu einer weiteren Rocknacht. Die riesigen Transparente von ca. 2 x 3 Metern neben der Straße verkünden die ENKELZ im Rahmen einer „Deutsch Rock Party“.

Wir passieren die Ortschaft „Lederhose“ und wundern uns dann auch nicht mehr, daß der hiesige Dorfkrug „Zur Lederhose“ benannt ist. Ob der Bürgermeister Uli Hoeneß heißt, ist bis dato ungeklärt.

Die Stadthalle in Berga ist klein aber fein. Die Menschen, die den Laden leiten, sind äußerst kooperativ, engagiert und wohltuend entspannt. Die Verpflegung ist in jeder Hinsicht erstklassig und reichhaltig. Und, gaaaaanz wichtig, alle sind absolute Fans von BO.

Der Soundcheck dauert lange, aber die Mühe lohnt sich. Christoph fährt während des wiederum weit über 3 Stunden dauernden Konzerts ein Brillant Brutales Brachial Brett zwischen Brandsatz und Brecheisen. Eine Art Kriegserklärung an Leise Hörer mit Urknall Charakter. Whole lotta Dezibel. Ne glatte Eins mit 3 Sternen.

Das Publikum reicht von Althippies, Bikern, langhaarigen Rockern über Punks, Normalos bis zu Skins. Geile Mischung. Und NULL Aggressionen untereinander! Keine Spinner in der Hütte, komplett angenehm.  Wir wissen jetzt auch den Oberbegriff „Deutsch Rock Party“ einzuordnen. Vor der Show wird die Meute mit Rio Reiser, Puhdys, Rammstein und Ähnlichem beschallt. Mal was Anderes aber durchaus originell.

Während des Auftritts herrscht blanker Enthusiasmus. Die Post geht richtig ab. Draußen Idylle pur und drinnen toben singende, losgelöste Menschen.

Der Pokal für Kranke in positiven Sinne geht heute Nacht an Sänger Achimo. Die erhitzte Luft ist zum schneiden dick, die Luftfeuchtigkeit derartig hoch, daß kurzfristig ein Teil der Lichtanlage wegen verkrümmter Bimetalle ausfällt,... und der Mann schultert seinen triefenden Körper mit einem wärmenden Schal... Von BO natürlich! Respekt im Schweiß, verehrte Frankfurter.

Veranstalter Olli ist derartig begeistert, daß er übers Mikrophon verkündet, die heutige Nacht sei die mit Abstand beste in den mittlerweile 9 Jahren seines Wirkens in der Stadthalle Berga. Na denn... Wir sind indes altersmäßig ein wenig zu weit fortgeschritten, um noch schamviolett ob soviel Lobes anzulaufen. Aber diese Herzlichkeit kommt echt gut.

Wir dürfen nicht losfahren ohne das Versprechen zum Wiederkommen zu geben. Was die ENKELZ gerne einlösen. Wahrscheinlich im September ist es soweit.

Das Hotel – eingebettet in eine harmonische Postkartenlandschaft unter einer uralten Burg – läßt ebenfalls Null Wünsche offen, unser „Spät“stück scheint selbstverständlich.

Wir fahren nach Hause mit einem positiven Resümee: „Alte“ Fans und Bekannte wiedergesehen und mehr als zufriedengestellt, neue Freunde dazu gewonnen. Und die ENKELZ obligaten 1.100 Kilometer locker abgerissen.

Ein rundherum gelungenes Wochenende mit zwei uns „abgerungenen“ Folgekonzerten. Danke Bremen, Danke Thüringen. Bis die Tage und auf neue Nächte im ewig jungen Kosmos von O/ENKELZ.

Knutzen