NÜRNBERG LÖWENSAAL

Franken ist den ENKELZ nicht unbedingt fremd. Neben etlichen Abstechern in die Peripherie der BOSC Heimat heißt es heuer, die fränkische Hauptstadt zu erobern. Sozusagen die Höhle des Löwen und demzufolge – nicht am Rande, sondern mitten durch – den gleichnamigen Saal, der stadtbekannten Adresse für größere Veranstaltungen.

Start ist bereits am Donnerstagabend um 20.30 Uhr, da keiner die ausgeprägte Neigung verspürt, sich früh morgens am Tag des freitäglichen Konzerts über verstopfte Autobahnen zu quälen.

Humoristische Höhepunkte und hahnebüchende Hohlheiten präsentieren ungewollt wie üblich die Einfüll- und Abführstationen für menschliche Bedürfnisse jeglicher Art entlang der Piste.

 Das servierte Wiener Schnitzel entpuppt sich optisch als fehlgeschlagener Versuch einer neuen Generation von Fußboden Laminat.

Farblich durchaus legitim in Richtung frittiertes Paniermehl getrimmt, aber in der Konsistenz zwischen Parkettfußbodenplagiat mit Schaumstoffunterlage und schlecht begossenem Gummibaum tendierend.

Hans Moser, protagonistischer Prediger für faire Wiener Schnitzelkultur, dreht sich garantiert im Grabe um. Net woa…

Ein Besuch in der angrenzenden Welt von „Sanifair“ ist jedes Mal wieder ein Erlebnis der besonders trivialen Art. Das von einer Süßholz raspelnden Tante gehauchte „We did our very best…to please you“ lässt berechtigte Ängste aufkommen, dass es aus den Lautsprechern unter der Decke heruntertröpfelt oder die Dame gar selber ausläuft.

Während die Ohren tapfer gegen eine gruselige Gesamtkörpergänsehaut ankämpfen, erspähen die entsetzten Augen ungläubig den ultimativen Plastikmuskel mit 100%ig schamlosen Dehnbarkeitsfaktor in Form einer rotierenden Toilettenbrille, unterlegt mit dem dezenten Surren eines Vibrators.

Bei soviel unverhohlener, steriler Obszönität in Weiß sehnen wir uns nach den guten alten, Wärme ausstrahlenden „Kago“ Werbeplakaten. Die bringen uns Feuer….

Noch schnell das Drehgestell durchbrechen und raus in die Freiheit, wo der Herr Trommler – von einigen offenen Mäulern ungläubig bestaunt – ebenso laut wie inbrünstig den ersten Vers eines Liedes von David Hasselhoff auf Deutsch schmettert…

Wir verlassen die BAB in Nürnberg Lauwarmholz (oder so ähnlich). Straßenbahnschienen, dezent angestrahlt von Oberleitungslampen im fränkischen Gelb führen uns direkt in das herbstliche Wäldchen, in dem sowohl der Löwensaal als auch direkt nebenan das Hotel liegen. Welch Wonne, keine weiten Wege.

Der angedachte Hauch einer „Pre Show Party” mit unseren Mitstreitern aus dem Westen der Republik gegen 6 Uhr morgens fällt nahezu flach. Ausgiebig Schlaf zum Vorrat Tanken ist angesagt. Bis mindestens 12 Uhr! Immerhin sechs satte Stunden!

Nur, wo dann Frühstücken irgendwo zwischen Noris und Valznerweiher? Der Trainer vom 1. FC N. wäre genehm, das Mannsbild verfügt über einen ebenso derben wie feinfühligen, hintergründigen Humor, ist aber leider nicht verfügbar.

Wir landen, sehr zur Freude Achimos, im Gasthaus „Sängerslust“, einer rustikalen Verköstigungsstätte mit griechisch fränkischer Speisenauswahl. Otto Rehagel trifft Hans Meyer….

Der Wirt, optisch eine Art Hellenischer Hellebardenschwinger mit bayrischen Bart über der fränkischen Frohnatur, offeriert ebenso Knossos knuffige Knoblauch Knaller wie einheimische Spezialitäten a la Stadtwurst und Bratwurstgehäck.

Zum Runterspülen dienen diverse zünftige Zirndorfer Landbiere. Eine durchaus gelungene Flüssigrezeptur aus dem Jahre 1674! Traditionalisten kommen folglich voll auf ihre Kosten.

Der offerierte Ouzo findet ob der frühen Tageszeit indes wenig Anklang….

Im Saal beginnen langsam aber sicher die umfangreichen Aktivitäten für die kommende Nacht. Was da an Bier angekarrt wird, lässt jeden Schluckspecht jauchzend jubilieren und die Leber jämmerlich japsen.

Die Montage der Lichttraversen gestaltet sich unangenehm zähflüssig, der daraus zwangsläufig resultierende Rattenschwanz an Verspätung wird immer länger und die Backline der ENKELZ schlummert folglich viel zu lange in den Cases vor der Bühne.

Die Zeit droht davonzulaufen. Ein rekordverdächtiger Aufbau der Bandanlage im Zeitraffer sowie ein professioneller Soundcheck nötigen die vorwitzig lappigen Uhrzeiger zurück in die reale Pünktlichkeit. 2 Minuten vor „Türen auf“ steht dann auch die Anlage der uns wiederum zurockenden satanischen Offiziere, alles ist „militärisch“ perfekt, ohne allerdings militant zu wirken. Schwitz….

Das Humorverständnis unserer Supportband äußert sich bekanntermaßen eh „aweng“ mehr als „speziell“. Mit DEM Outfit eine rockige Version von „Alle meine Entchen“ anklingen zu lassen ist sicherlich außergewöhnlich, die Zugabe dann aber mit „Eisgekühlter BOmmerlunder“ einzuläuten bedeutet schrägsten Slapstick und schlägt Schenkel klopfend bis wiehernd dem Düsseldorfer Schlager Fass den pseudopunkigen Boden aus. Direkt in den gutvermenschten kleinen Abschnitt des unschuldigen Rheins. Köstlich…

„Guten Tag, erkennt ihr mich??“ Und ob! Die Meute im mit ca. 1300 Leutchen ausverkauften Saal „röhrt“ (wie doppeldeutig) von Beginn an volle Kanne mit. 2 ½ Stunden stehen wieder auf dem Programm.

Jedoch – um es blümerant sarkarstisch im Geiste Loriot´s auszudrücken – das krönende Zitronencremebällchen hüpft das eine oder andere mal dezentest vom Kosakenzipfel direkt in des Teufelchens unterirdische Küche.

Perfektionismus duldet eben keinerlei Timing Schwankungen, auch nicht im Zehntelsekundenbereich. Was also machen, wenn die Uhr der Nacht gegen alle Gewohnheit und völlig ohne Schuldzuweisungen ein wenig außerhalb der Reihe tickt?

 Gegenanarbeiten, die Unrundungen des Räderwerks am Schlafittchen packen. Leicht gesagt, so mitten im Geschehen. Meist mit aller, aber manchmal auch mit einem Hauch weniger Bravour wird das Taktpendel nicht immer unbedingt begeistert gemeistert.

Sei es in diesem Tagebuch aus objektiver, nichts beschönigender Sicht der Bande vermerkt. Auch zum besseren Verständnis der/des Einzelnen, der/die sich fragen könnten, warum die 4 Haudegen gelegentlich ihre Köpfe zusammenstecken. Auf der Bühne stehen eben Menschen, keine programmierbaren Maschinen. Wie im Entree dieser Rubrik beschrieben, Schönschreiben ist nicht.

Nicht geschulte Ohren innerhalb des normalen Nürnberger Mobs bekommen beschriebene nervenden Nicklichkeiten allerdings gar nicht mit, insofern werden es dann, den vehement geforderten Zugaben sei „Dank“,  doch wieder 3 Stunden.

Auch für den Querstadt Kalle im Karstadt Quelle Trikot. Ein grün-weiß gestreifter, unverletzter Anhänger der Spvgg. Greuther Fürth mitten in Nürnberg. Der Kerl hat Mut, scheint seiner Versicherung das Optimale zuzumuten. Na ja, bei dem Sponsor…

Der engagierte Veranstalter, ebenfalls Inhaber der Disco „Green Goose“ feiert mehrjähriges Jubiläum. Beide Bands plus Anhang sind zur Aftershow Party eingeladen. Die Hütte platzt bei AC/DC- Rammstein- Onkelz- und ähnlich gearteter Beschallung nahezu aus allen Nähten. Die Laune ist prächtig bis ausgelassen.

Lediglich die paar anwesenden Zugehörigen einer außereuropäischen Kultur sind ob dieser Beschallung sichtlich genervt. Anstatt einfach zu gehen – was für alle Beteiligten fairer Weise das Beste und menschlich Verständlichste wäre – wird ungeniert den teils enthemmt tanzenden Mädels mit schlecht verhohlener Gier lüstern in die Dekolltees gegiert/gegeifert um in der Dichte der Tanzfläche einseitigen Körperkontakt zu suchen. Welch vehement erotisches Erlebnis. Dummheit kennt keine Grenzen. Wie wahr…

In unterschiedlichen Wahrnehmungszuständen zu komplett unterschiedlichen Uhrzeiten separiert sich der ENKELZ Tross. Einige bleiben, andere entern das Hotel „frühzeitig“ um 5.30 Uhr morgens…

Um 12 Uhr ist erbarmungslos „hardcore wecking“ angesagt. Lucky JACKIE (nicht aus Kentucky) sondern aus Tennessee entsendet den bö(h)sartigen Engel DANIELS, um versprengte Reste eines nicht geübten Spontantrunkenheitsboldes einzusammeln.

Es gelingt, und neben einem blassgesichtigen „Whisky Zuviel Debütanten“ lauschen wir der Bundesliga Berichterstattung zum ersten Mal auf einer Heimfahrt. Wie sich doch alles relativiert, die einen sammeln zuviel Promille, die anderen zu wenig Punkte.

Komm´ in „Meine (verkehrte Fußball) Welt“…

Knutzen